Lani Kingston, die Autorin dieses reich bebilderten, sehr informativen Buches ist Wissenschaftlerin, Gastroautorin und Beraterin auf dem Gebiet Essen und Trinken. Sie ist durch die ganze Welt gereist und lebte in vielen Ländern, um vor Ort lokale Kaffeekulturen und- traditionen genauestens zu erforschen.
In den Texten des vorliegenden Werkes zur Kulturgeschichte des Kaffees geht es primär um Vielfalt und Innovation und hier, wie vernetzt unsere Welt ist und wie eine einfache Pflanze dazu beitragen kann, religiöse, politische und geografische Barrieren zu überwinden.
Zunächst werden Grundkenntnisse zum Thema Kaffee vermittelt und zwar im Hinblick auf die Kaffeepflanze, auch die Kaffeebohne, die Ernte, die Verarbeitungsmethoden und ähnliches mehr. Das alles wird sehr gut erklärt. In diesem Zusammenhang werden auch die Begriffe "Bio" und "Fair Trade" gut erläutert und man erhält einen Überblick über alles, was man benötigt, um eine Tasse Kaffee zuzubereiten.
Aufgelistet ist der Namen für Kaffee in 50 Ländern dieser Welt, bevor die Autorin die Leser mit auf die Reise zu insgesamt 19 dieser Länder mitnimmt. Sie vergisst dabei nicht, zunächst Historisches zu vermitteln und mit einer zwei Seiten umfassenden Landkarte aufzuwarten, die zeigt, wo Kaffee angebaut und verbreitet wird.
Erste Station der Betrachtung ist dann Italien, die Heimat des Espresso. Dort wird in 150.000 Kaffeebars im ganzen Land Kaffee angeboten. Man erfährt Wissenswertes zur "moka", die bereits im 19. Jahrhundert zum beliebtesten Kaffeebereiter der Welt wurde. Bemerkenswert auch der "Caffé sopeso". Dabei handelt es sich um eine karikative Tradition, die sich im 19. Jahrhundert in Neapel entwickelt hat.
Es werden typisch italienische Espressorezepte präsentiert unter diesen "Bicerin", ein Espresso mit heißer Schokolade und Sahne, bevor man die Kaffeekultur und-zeremoniell in Äthiopien kennenlernt. Dort hatten vor tausend Jahren die Vorfahren der Oromo Kaffeekirschen zerkleinert und mit Fett vermischt. Das ganze rollten sie zu großen Kugeln und ernährten sich auf ihren langen Wanderungen ausschließlich davon. Man erfährt, wie dort Kaffee geröstet und zubereitet wird.
Beeindruckende fotografische Impressionen durchziehen das gesamte Werk. So halte ich immer wieder inne und bestaune Menschen, Gegenstände und Landschaften, lese, dass in Tansania das Volk der Haya seine Kaffeekirschen zusammen mit Gräsern und Kräutern räuchert und trocknet, um sie so bei gesellschaftlichen Anlässen zu knabbern. Man lernt ein Gewürzkaffeerezept, genannt "Kahawa" kennen, das in Sansibar und an der Küste Tansanias zur Kaffeekultur gehört. Zu den Gewürzen zählen Kardamom, Zimt, Ingwer u.a. mehr.
Weiter geht es in den Jemen. Dort stammen die ersten seriösen, schriftlichen Aufzeichnungen zum Kaffee aus dem 15. Jahrhundert. Es waren Sufi-Mystiker, die Kaffee tranken, um munter zubleiben. Heute werde Kaffee im Jemen von Kleinbauern produziert, die eine Fülle von seltenen Kultursorten anbauen.
Von dort geht es dann zur Arabischen Halbinsel, wo es mindestens 100 soziale Regeln gibt, wenn es um arabischen Kaffee geht. Bei den Kaffeerezepten von dort ist Kardamom Programm.
Weiter geht es mit der Türkei, wo bereits um 1550 in Istanbul die ersten Kaffeehäuser eröffneten. Natürlich erfährt man neben tausenden anderen Informationen, wie man türkischen Kaffee zubereitet und dass es hier an Süße nicht mangelt.
Unmöglich zu allen Reisezielen etwas im Rahmen der Rezension zu schreiben! Nennen möchte ich die Ziele aber. Das sind neben den bereits erwähnten: Indien, Indonesien, Spanien, die Karibik und schließlich Brasilien, dann Mexiko, Polynesien, aber auch Japan, das man ja eher mit Tee assoziiert. Weiter geht es mit Vietnam, Korea und ganz zum Schluss, Österreich, Deutschland, Schweiz und schließlich die nordischen Länder.
Eine Fülle von Informationen bereichert die Leser und ein imposantes Bildwerk erfreut die Augen. Das muss man immer wieder betonen.
Die Kaffeerezepte im Buch lohnt es allesamt zuzubereiten, am besten jeweils im Anschluss an die Infos zu den einzelnen Ländern. Dann versteht man mehr. Lernt den Geschmack des Landes kennen.
In Indonesien trinkt man beispielsweise u.a. einen "Es Kopi Apulkat". Das ist ein "Geeister Avocado-Kaffee". Sehr erfrischend!
Köstlich auch die "Kaisermelange", eine Wiener Kaffeespezialität. Das Rezept findet man auf Seite 234.
Neben einem sehr guten Glossar gibt es noch eine Fülle von Quellenhinweisen und weiterer Literatur.
Kurzum: Das Buch ist ein wahrer Schatz für alle, die sich für Kaffee interessieren. Sollte unter keinem Gabentisch an Weihnachten fehlen.
Maximal empfehlenswert.
Helga König
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen